Fortkumma: Die Sauerkrautaktion

Fortkumma: Die Sauerkrautaktion

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Foto: Wolfgang Stegherr

Normalerweise bedeutet Fortkumma, dass einige unserer Bewohner einen Ausflug machen, doch diesmal war alles anders. Geplant war an einem Nachmittag bei Familie Nassauer Sauerkraut wie zu “Großmutters Zeiten“ herzustellen. Das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung, also wurde aus dem „Fortkumma“ ein „Hamkumma“. Die Aktion wurde flugs ins Pflegezentrum verlegt.

Viele Bewohner nutzten die Möglichkeit und kamen zu diesem „Event“. Der Raum war bis zum letzten Stuhl belegt und nach einer kurzen Begrüßung ging es schon los. Es wurden verschiedenste Utensilien, wie Hobel, Stampfer, Fass und natürlich die Zutaten ausgepackt. An der Stelle erzählten einige Bewohner aus ihren Erinnerungen, dass ihr Hobel einst viermal so groß gewesen sei und dieser im Dorf bei Bedarf herumgereicht und verliehen worden war.

Nachdem jetzt die erste Schicht Sauerkraut gehobelt und im Fass gelandet war, wurde sie mit Salz und Lorbeerblättern gewürzt. Es fehlte noch der Weißwein, über dessen Qualität die Teilnehmer sich erst mal mit der Nase ein Urteil bildeten. Manche erzählten, dass sie keinen Weißwein in das Sauerkraut gaben, stattdessen nur blankes Wasser. Auch Lorbeerblätter und Wacholderbeeren durften gerochen werden. Das weckte die eine oder andere Erinnerung an alte Zeiten. Die Runde stellte fest, mit wie viel Mühe damals Sauerkraut hergestellt worden war und das es weit besser schmeckte als das heutige Gekaufte.

Nun kam die harte Arbeit des Stampfens. Eine Bewohnerin meinte es besonders gut, denn Sie wollte beherzt mit nackten Füssen ins Fass steigen, um das Kraut zu stampfen. So war es früher bei manchen Familien Brauch. Wir konnten sie davon überzeugen, dass es genauso gut mit dem gut 4 Kilo schweren Holzstampfer geht. Diesen reichten wir in der Runde herum und wer wollte durfte kräftig stampfen.

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Foto: Wolfgang Stegherr

Einige Bewohner gaben Ratschläge wie man am besten stampft, z. B. mit oder gegen den Uhrzeigersinn. Dann kam eine weitere Schicht gehobelten Krauts ins Fass oben drauf, nochmals reichlich Weißwein, eine kräftige Brise Salz, Lorbeerblätter und Wacholderbeeren. Eine kleine Kostprobe wurde schließlich gereicht. Alle griffen zu und probierten die noch „rohe Delikatesse“. Als kleines Schmankerl hatte Frau Nassauer süßes Kraut und einen Dotsch mitgebracht. Dieses Gericht stammt aus Böhmen und von der Großmutter der Familie Nassauer. Einige Bewohner kannten es unter einem anderen Namen, aber geschmeckt hat es allen. Das gehobelte, mit Zutaten verfeinerte und gestampfte Kraut muss nun bis mindestens Weihnachten im Fass verweilen. Dann gibt es garantiert ein vorzügliches Sauerkraut – da es mit so viel Liebe und Engagement hergestellt wurde.
Ein herzliches Dankeschön an die Familie Nassauer und an alle Teilnehmer!

Bericht von Yvonne Nassauer